Paketkopter der DHL beim Tesflug
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Lieferung durch die Luft

Die ZF-Zukunftsstudie 2016 „Die letzte Meile“ räumt Transportdrohnen künftig eine hohe Relevanz für Spezialanwendungen in der Logistik ein. Der Paketdienstleister DHL startet jetzt ein Forschungsprojekt, das die Integration der Fluggeräte in den Luftverkehr untersucht.

Neue Lieferkonzepte für die letzte Meile hängen auch davon ab, welche technologischen Möglichkeiten den Logistikern dazu zur Verfügung stehen. Wie die ZF-Zukunftsstudie 2016 „Die letzte Meile“ zeigt, steht der Branche in naher Zukunft ein ganzes Bündel unterschiedlicher Technologien zur Wahl. Beste Chancen in der Logistik haben demnach Systeme, die gewissermaßen mit Bodenhaftung aktiv sind.Das können automatisierte Transporter sein, aber auch Zustellroboter, die ihre Sendungen in Eigenregie abliefern.

Die Zustellung durch die Luft ist dagegen keine Option für den Massenmarkt. Der vor kurzem in Berlin vorgestellten Studie zufolge sind es vor allem Sicherheitsbedenken und Vorschriften des Luftfahrtgesetzes, die bis zum Jahr 2030 den Einsatz von Transportdrohnen auf spezielle Anwendungen beschränken. Die Fluggeräte könnten den Transport von Medikamenten, Dokumenten und anderen eiligen Gütern übernehmen. Sie würden dort zum Einsatz kommen, wo die Infrastruktur auf dem Land und in der Stadt eingeschränkt ist.

Transportdrohnen, das zeigt die ZF-Zukunftsstudie deutlich, sind ein Fall für die Nische. Allerdings sind es auch in der Logistik häufig die Nischen, in denen lukrative Geschäftsmodelle entstehen. Der Erfolg hängt dann davon ab, ob ein Anbieter die für sein Modell notwendigen Technologien und Prozesse perfekt beherrscht. Genau dieses Ziel verfolgt der Paketdienstleister DHL mit seinem Drohnenprojekt.

Paketkopter der DHL beim Tesflug

Paketkopter der DHL beim Testflug in Reit im Winkel

Zuletzt hat das Paketkopter genannte System Anfang des Jahres einen dreimonatigen Test im bayerischen Reit im Winkl erfolgreich absolviert. Aufgabe war die Versorgung einer 1200 Meter hoch gelegenen Alm mit dringend benötigten Gütern über eigens im Tal und auf dem Berg installierte Packstationen. Bei insgesamt 130 autonomen Be- und Entladungen hat die Drohne pro Strecke eine Distanz von acht Kilometern zurückgelegt.

Jetzt zündet der Paketdienstleister die nächste Stufe seines Engagements. Gemeinsam mit der Telekom und der Deutschen Flugsicherung hat DHL Mitte November ein Forschungsprojekt zum Einsatz von Transportdrohnen in der City-Logistik ins Leben gerufen. Das Projekt soll die Weichen für eine sichere Integration in den Luftverkehr stellen und neue Anwendungen identifizieren. Dabei gilt die Vorgabe des Gesetzgebers, dass Drohnen nur in Sichtweite des Bedieners operieren dürfen. In der Praxis lässt sich ein Fluggerät aber auch steuern, orten und überwachen, wenn der Operator das System nicht physisch vor Augen hat. Dazu reicht es im Prinzip aus, wenn sich die Positionsdaten der Transportdrohne stets korrekt im Luftlagebild darstellen lassen.

An dieser Stelle kommt die Telekom ins Spiel. Das Forschungsprojekt soll zeigen, ob sich das Mobilfunknetz dazu eignet, Transportdrohnen an das mobile Internet anzubinden. Die Drohnen haben dazu Mobilfunkmodule an Bord, über die sie mit dem Netz Verbindung aufnehmen. Auf diese Weise lassen sich GPS-Koordinaten und Systeminformationen übertragen und auf dem Monitor des Operators sichtbar machen. Gleichzeitig überträgt die mobile Verbindung bei Bedarf Informationen aus der Flugsicherung zu Flugbeschränkungen und Wetter. Wie es heißt, ist derzeit eine verlustfreie Breitband-Datenübertragung bereits bis zu einer Flughöhe von mehreren hundert Metern möglich.

Für nächstes Jahr plant die Forschungskooperation erste Feldversuche im ländlichen Raum. Denkbar sind Einsätze in der Landwirtschaft. Auf lange Sicht will man die Lieferung mit Transportdrohnen aber auch im urbanen Raum erproben.

Wohin die Reise gehen kann, zeigt derzeit das Beispiel der Schweizerischen Post, die bereits seit 2015 im Kanton Bern mit autonomen Transportdrohnen für prioritäre Sendungen in abgelegenen Regionen zugange ist. Nächstes Jahr soll die erste ständige Drohnen-Verbindung in der Schweiz an den Start gebracht werden. Wie es heißt, ist ein autonomer Luft-Shuttle zwischen zwei Standorten einer Firma geplant.

Die aktuelle Generation des DHL-Paketkopters wartet übrigens mit Neuerungen auf, die ihr Einsatzfeld erweitern. Während die ersten beiden Generationen als Quadrokopter mit vier Rotoren in die Luft gingen, ist die jüngste Version ein so genannter Kippflügler, bei dem die Tragfläche mit den Triebwerken um die Querachse des Geräts gekippt wird. Die Drohne ist für eine Nutzlast von bis zu zwei Kilogramm und eine Reisegeschwindigkeit von rund 70 km/h ausgelegt. Zulegen dürfe das Fluggerät in Zukunft noch bei Reichweite und Nutzlast.

Allerdings steht nicht zu erwarten, dass DHL – ähnlich wie beim Streetscooter – die Entwicklung der Paketkopter in die eigene Hand nimmt. Dazu gibt es in der Industrie jede Menge Expertise. Der Flugzeughersteller Airbus zum Beispiel will künftig auch Drohnenmodelle für den zivilen Einsatz auf den Markt bringen. Derzeit entwickelt das Unternehmen eine Medizin- und Frachtdrohne, die drei Kilo Nutzlast über 100 Kilometer transportieren soll.

 

Text: Joachim Geiger  //  Bild: Andreas Heddergott

Autor
Joachim Geiger

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