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Future Truck

Daimler Frightliner. Copyright: DaimlerTrucks

Einen Zukunftstruck „Made in USA“ präsentierte Daimler unlängst auf der Mid America Trucking Show in Louisville. Der Freightliner hört auf den Namen „Supertruck“ und zieht vor allem bei der Aerodynamik sämtliche Register. Mit tief herunter gezogenenen Spoilern und Schürzen, sowie einer bedarfsgerechten Anströmung des Kühlers soll der Ami bei Testfahrten rund 19 Liter auf 100 Kilometer verbraucht haben. Dabei war er mit gut 100 Kilometern pro Stunde unterwegs und brachte immerhin 29,5 Tonnen auf die Waage.

Das automatisierte Getriebe erkennt per GPS die Topografie der Strecke und steuert entsprechend Schaltvorgänge und Marschgeschwindigkeit ein. Dadurch ist eine besonders spritsparende lange Übersetzung möglich. Dazu sind sämtliche Energieverbraucher an Bord auf Sparsamkeit getrimmt. Gegenüber einem Vergleichs-Lkw aus dem Jahr 2009 verbesserte sich laut Daimler die Transporteffizienz, gemessen in Tonnenmeilen pro Gallone Diesel, um 115 Prozent.

Was mit moderner Antriebstechnik und gutem Energiemanagement möglich ist, zeigen mittlerweile auch viele europäischen Lkw, dennoch sind die Designer in den USA freier, wenn es um die Aerodynamik geht. Mit der dort üblichen Haubenbauweise lässt sich unter anderem das Thema Stirnfläche einfacher angehen als in Europa. Immerhin bewegt sich jetzt auch auf unserem Kontinent etwas. In einem EU-Papier zur anstehenden Überarbeitung der Richtlinie von Gewichten und Abmessungen von Lkw und Bussen heißt es etwas unscharf, die Bestimmungen seien an die Ziele der europäischen Umweltpolitik anzupassen und ein Schritthalten des Designs der Lkw mit dem technischen Fortschritt sei zu ermöglichen.

Hier hat sich seit dem Rumpler Tropfenwagen von 1921 sicherlich noch einiges getan, doch die über 90 Jahre alte Entwicklung zeigt ebenso wie der Freightliner, dass die Kenntnisse der Technik nun langsam reif wären, um auch in starre Gesetzeswerke zu passen. Doch da plagt sich die Jurisdiktion mit sehr präzisen Vorgaben auf Zentimeterniveau, anstatt das Thema Gütertransport komplett neu zu überdenken. Ein Langhauber wie der gezeigte Ami wird sicher niemals Lieferverkehr in Innenstädten erledigen, aber er könnte mit intelligenter, die Verkehrssituation erfassender, Bordelektronik sehr gut kalkulierbar zur rechten Zeit am rechten Ort sein.

Doch die EU hat schon Schwierigkeiten, die Länder unter einen Hut zu bringen. So sind die In Skandinavien und auch in den dichtbesiedelten Niederlanden gängigen 60-Tonner mit 25 Meter Länge in Deutschland immer noch vielfach ein rotes Tuch.

Autor
Andreas Techel

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